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Hessischer Preis „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ beim Hessentag in Oberursel verliehen

Bei der Preisverleihung von links: Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf, Sozialminister Stefan Grüttner, Frau Eva Bendl, Herr Eckhard Scheld und Ministerpräsident Volker Bouffier

Hauptpreis geht an Eckhard Scheld und Sonderpreis an Eva Bendl

Oberursel. Der Hessische Preis „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ wurde erstmals von der Hessischen Landesregierung ausgelobt und beim Brauchtumsnachmittag des Bundes der Vertriebenen anlässlich des Hessentages in Oberursel durch Herrn Sozialminister Stefan Grüttner verliehen. Der Preis ist mit 7.500 € dotiert (Sonderpreis 2.000 €) und zeichnet Arbeiten im thematischen Zusammenhang mit der Vertreibung und Aussiedlung von Deutschen als Folge des Zweiten Weltkrieges sowie der deutschen Kultur der Vertreibungsgebiete aus.

Sozialminister Stefan Grüttner führte in die Verleihung des Preises ein und stellte fest, dass die Verabschiedung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen vor über 60 Jahren Anlass für die Auslobung des Preises gewesen sei. Alles was 1950 kundgetan wurde, sei eingetreten. Europa sei ein Hort des Friedens und die Völker Europas lebten in stabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Vertriebenen und Flüchtlinge hätten zu dieser Entwicklung maßgeblich beigetragen und ihre Versprechen eingehalten. Ihr Fleiß und ihre mitgebrachten Fähigkeiten hätten nicht unerheblich zum Wirtschaftswunder der Bundesrepublik beigetragen. „Die Landsmannschaften haben schon sehr früh durch Kontakte in die Herkunftsländer die Aussöhnung mit den dortigen Völkern beispielhaft gefördert. Dieser Beitrag darf nicht in Vergessenheit geraten und muss sich insbesondere bei jüngeren Menschen ins Geschichtsbewusstsein einprägen“, so Sozialminister Grüttner.

Der Sozialminister sprach weiter die Arbeit der Jury und die erfreuliche Tatsache an, dass mit 51 Einsendungen mehr Vorschläge eingegangen seien als erwartet. Er habe sich darüber gefreut, dass sich auch jüngere Menschen beteiligt hätten. Die Jury habe sich die Entscheidung nicht leichtgemacht, da viele preiswürdige Vorschläge eingereicht worden seien. „Ich danke allen Personen und Institutionen, die sich an dem Preis beteiligt haben, ebenso den Mitgliedern der Jury. Mein besonderer Dank und meine Anerkennung gehen an die beiden Preisträger, Herrn Eckhard Scheld und Frau Eva Bendl“, betonte der Sozialminister.

Die Landesbeauftragte der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, stellte in ihrer Laudatio zunächst den Hauptpreisträger, Herrn Eckhard Scheld vor und berichtete, dass seine Arbeit bei der Jury allerhöchste Anerkennung gefunden habe. Sein vielfältiges Engagement habe zu einem großen Verständnis für die Thematik Flucht, Vertreibung, Eingliederung und gleichermaßen auch zur Versöhnung mit den östlichen Nachbarn bei Schülern wie bei Lehrern geführt.

Die Entscheidung zur Vergabe des Preises begründe sich durch das hohe Maß der Verdienste, die sich Herr Scheld über viele Jahre im Schuldienst weit über das vorgegebene Maß und weit über jeden Lehrplan hinaus in dem Bemühen gemacht habe, sowohl Schüler wie auch Lehrer mit der Kultur und Geschichte der Deutschen im Osten und dem Zusammenleben der Deutschen mit ihren dortigen Nachbarn vertraut zu machen. „Besonders anzuerkennen ist dabei, dass ihre Arbeit den schmalen Grad von Sachlichkeit und Empathie stets einzuhalten weiß, handelt es sich bei Flucht, Vertreibung und Eingliederung doch immer auch um gefühlsbeladene Themen“, so die Landesbeauftragte.

Durch seine Arbeit werde in besonderer Weise die Intention des Preises erfüllt, wonach besonders junge Menschen angesprochen und ermuntert werden sollen, sich mit der Geschichte Deutschlands und der Siedlungsgebiete der Deutschen im östlichen Europa zu beschäftigen. „Mich hat sehr beeindruckt, wie Sie als `Nichtvertriebener` über einen so langen Zeitraum auf den verschiedensten Gebieten die Themen „Flucht, Vertreibung, Eingliederung“ bearbeitet und ihre Schüler und andere Lehrer dafür begeistert haben“.

In ihrer Laudatio zur Sonderpreisgewinnerin Frau Eva Bendl aus Bargau verwies die Landesbeauftragte auf die Master-Arbeit unter dem Titel „Ich bin ein Südmährer und fertig. Zur regionalen Identitätsbildung der Vertriebenen aus Südmähren in Deutschland“. Frau Eva Bendl habe eine sehr interessante, aufschlussreiche wissenschaftlich fundierte Master-Arbeit zur Konstruktion regionaler Identitäten am Beispiel der Südmährer – vor und nach Flucht und Vertreibung – geschrieben. Sie habe sich mit ausgefeiltem methodischem Rüstzeug, hoch reflektierter Sprache und bestem wissenschaftlichen Problembewusstsein dieses wichtigen Themas der Konstruktion regionaler Identitäten angenommen.

„Mich hat sehr beeindruckt, wie ein so junger Mensch wie Sie mit großer Empathie aber auch mit wissenschaftlicher Sachlichkeit an das Thema Flucht, Vertreibung, Eingliederung herangegangen ist. Ihr Mitgefühl für die vertriebenen Südmährer wird an vielen Stellen der wissenschaftlichen Arbeit deutlich“, so die Landesbeauftragte am Ende der Laudatio.

Frau Eva Bendl bedankte sich für den Sonderpreis, über den sie sich sehr freue. Bei den Interviews zur ihrer Arbeit habe sie die Antwort einer Befragten besonders beeindruckt: „Weil es nicht vergessen werden darf, dieses Kapitel der Geschichte“. So sieht sie auch ihre Arbeit: „Mit den wenigen Mitteln die ich habe, dem Vergessen entgegentreten, deshalb mach ich das“, betonte die Gewinnerin des Sonderpreises.

Herr Studiendirektor Eckhard Scheld richtete seinen Dank für den Hauptpreis an das Land Hessen, die Jury und den Hessischen Sozialminister. Außerdem Herrn Gerolf Fritsche von der Pädagogischen Arbeitsgemeinschaft Mittel- und Osteuropa, mit dem er seit 23 Jahren Lehrerfortbildungsveranstaltungen durchführe. Dieser habe den Bewerbungsvorschlag eingereicht. „Meine 89-jährige Mutter, mein Sohn und meine Tochter sind mit mir nach Oberursel gekommen und ebenso ehemalige und jetzige Schüler haben mich nicht allein gelassen“, so Eckhard Scheld in seinen Dankesworten.

Foto: Bei der Preisverleihung von links: Landesbeauftragte Margarete Ziegler-Raschdorf, Sozialminister Stefan Grüttner, Herr Eckhard Scheld, Frau Eva Bendl und Ministerpräsident Volker Bouffier.


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