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Mindestverordnung Kitas

Kindergartenszene

Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder (Mindestverordnung – MVO)

Einleitung

Die neu gefasste Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder (Mindestverordnung - MVO) vom 17. Dezember 2008 (GVBl. I S. 1047) ist am 1. September 2009 in Kraft getreten. Sie sieht qualitative Verbesserungen im Sinne von Mindeststandards vor, die zur Gewährleistung des Kindeswohls in hessischen Kindertageseinrichtungen erfüllt sein müssen. Ausgangspunkt für die Novellierung war die Veränderung des Stellenwerts von Tageseinrichtungen für die frühkindliche Bildung in den vergangenen Jahren. Eine bessere und individuelle Förderung der Kinder ist nur zu erreichen, wenn mehr Zeit für das einzelne Kind zur Verfügung steht.

Daher sieht die neue Verordnung vor allem eine Personalanhebung und teilweise eine Verringerung der Gruppengrößen vor. Insbesondere die Mindestanforderungen an die strukturellen Rahmenbedingungen in Krippengruppen und altersübergreifenden Gruppen mit Kindern unter drei Jahren wurden verbessert.

Bislang galt einheitlich eine personelle Mindestbesetzung von 1,5 Fachkräften für jede Kindergruppe. Die personelle Besetzung wird nun ab dem 1. September 2009 angehoben auf mindestens 2 Fachkräfte in Krippen und auf mindestens 1,75 Fachkräfte in altersübergreifenden Gruppen und in Kindergartengruppen. Für Hortgruppen sind weiterhin mindestens 1,5 Fachkräfte vorzusehen.

Die Zahl der Kinder, die in eine Krippengruppe aufgenommen werden, soll nur noch 8 bis 10 betragen, bisher waren es 10 bis 15 Kinder. In altersübergreifenden Gruppen soll bei der Aufnahme von Kindern bis zum vollendeten dritten Lebensjahr eine Gruppengröße von insgesamt 15 Kindern nicht überschritten werden (nach der „alten“ MVO bis zu 20 Kinder). In Hortgruppen wird die bisherige maximale Gruppengröße von 25 Kindern auf 20 Kinder herabgesetzt, in Kindergartengruppen bleibt es bei der Aufnahme von maximal 25 Kindern in der Gruppe.

Um den erhöhten Anforderungen im Bereich der frühkindlichen Bildung gerecht zu werden, beinhaltet die Neufassung der Mindestverordnung neben den Vorgaben für Personalbesetzung und Gruppenstärke auch eine Erweiterung der Fachkraftdefinition, indem weitere qualifizierte Berufsabschlüsse in den Fachkraftkatalog aufgenommen wurden. Zu den Fachkräften zählen nun unter anderem auch studierte Grundschul- und Förderschullehrkräfte sowie Personen mit Bachelor- oder Masterabschluss im sozialpädagogischen und -pflegerischen Bereich.

Häufig gestellte Fragen zur Umsetzung der neuen Regelungen in der MVO

1. Warum wird das Berechnungsmodell für die Personalbesetzung von Rheinland-Pfalz nicht auf Hessen übertragen?

Die Mindestverordnung als Grundlage des Berechnungsmodells unterscheidet sich in ihrer Systematik und Regelungsdichte von den Vorschriften in Rheinland-Pfalz. Das bisherige hessische Berechnungsmodell, das sich im Gegensatz zu der rheinland-pfälzischen Regelpersonalbesetzung einer Gruppe an einer bedarfsorientierten Personalbemessung und differenzierten Gruppenöffnungszeiten orientiert, bildet den tatsächlichen Personaleinsatz in den Kindertageseinrichtungen konkreter ab. Es hat sich bewährt und soll deshalb weiterhin gelten.

2. Wie sieht die Berechnung des Personalbedarfs nach der neuen Mindestverordnung konkret aus? Gibt es ein genaues Beispiel?

Die Berechnung des Mindestfachkräftebedarfs wird auch mit der neuen Verordnung wie bisher bedarfsorientiert anhand der differenzierten Öffnungszeiten der einzelnen Gruppen und Dienste (Frühdienst, Spätdienst) erfolgen. Danach ist der jeweils erforderliche Fachkraftschlüssel mit den täglichen bzw. wöchentlichen Öffnungsstunden der Gruppe zu multiplizieren, wie aus dem nachfolgenden Beispiel und der Anlage 1 (siehe PDF-Download in der rechten Spalte) zur Personalberechnung zu ersehen ist.

Personalbedarf
Kindergartengruppe Öffnungszeiten Stunden täglich Stunden wöchentlich mind. erforderliche Fachkräfte erforderliche Fachkräftestd. pro Woche
 1. Gruppe  8.00 - 12.00  4 Std.  20 Std.  1,75  35 Std.

3. Was gilt nach der neuer Mindestverordnung hinsichtlich der Verteilzeiten?

Auf eine Regelung der „kinderfreien“ (Verteil-)Zeiten für Leitungsfunktionen, Vor- und Nachbereitung der pädagogischen Arbeit, Fortbildung, Zusammenarbeit mit Eltern oder anderen Einrichtungen und Institutionen etc. sowie auf Vorgaben zur Urlaubs- und Krankheitsvertretung verzichtet die Verordnung. Damit bleibt es bei der bisherigen Rechtslage, wonach dies von den Einrichtungsträgern im Rahmen ihrer Autonomie eigenständig zu regeln ist. Empfohlen wird, den Fachkraftschlüssel lediglich bezogen auf die Arbeit mit dem Kind zu verstehen.

4. Welche personellen Anforderungen sind an eine Kindertageseinrichtung mit einer Kindergartengruppe im Haus und einer Waldkindergartengruppe zu stellen?

Auf Grund der räumlichen Trennung ist in beiden Gruppen jeweils die Anwesenheit von mindestens 2 Aufsichtspersonen, davon mindestens 1,75 Fachkräfte, sicherzustellen.

5. Was ist ein „Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf“?

Der Begriff Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf geht zurück auf § 171e BauGB (Maßnahmen der Sozialen Stadt). Städtebauliche Maßnahmen der Sozialen Stadt sind gemäß § 171e Abs. 2 BauGB Maßnahmen zur Stabilisierung und Aufwertung von durch soziale Missstände benachteiligten Ortsteilen oder anderen Teilen des Gemeindegebiets, in denen ein besonderer Entwicklungsbedarf besteht. Soziale Missstände liegen insbesondere vor, wenn ein Gebiet aufgrund der Zusammensetzung und wirtschaftlichen Situation der darin lebenden und arbeitenden Menschen erheblich benachteiligt ist. Ein besonderer Entwicklungsbedarf liegt insbesondere vor, wenn es sich um benachteiligte innerstädtische oder innenstadtnah gelegene Gebiete oder verdichtete Wohn- und Mischgebiete handelt, in denen es einer auf einander abgestimmten Bündelung von investiven und sonstigen Maßnahmen bedarf. Das Gebiet, in dem Maßnahmen der Sozialen Stadt durchgeführt werden sollen, legt die Kommune nach § 171e Abs. 3 BauGB durch Beschluss fest.

Über diese Anknüpfung an das BauGB hinaus ist ein Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf gegeben, wenn die Gemeinde ein Gebiet als sozial benachteiligt im weiten Sinne eingestuft hat.

6. Besteht ein Zusammenhang zwischen einem „Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf“ und der Förderung von Maßnahmen zur Integration von Kindern mit Migrationshintergrund nach §§ 6 Abs. 3, 7 Abs. 3 der Verordnung zur Landesförderung für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege?

Nein. Aus dem Umstand, dass eine Kindertageseinrichtung nach § 6 Abs. 3, § 7 Abs. 3 der Verordnung zur Landesförderung für Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege gefördert wird, folgt nicht, dass es sich hier um einen Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf handelt. Die Regelungen knüpfen an unterschiedliche örtliche Umgebungen und Personenkreise an.

7. Darf ein Sozialassistent, der sich berufsbegleitend zum Erzieher ausbildet, als Fachkraft mit der Mitarbeit in einer altersübergreifenden Gruppe betraut werden? Darf eine Pädagogikstudentin, die neben ihrem Studium an 2 Nachmittagen in der Woche in einer Hortgruppe arbeitet, als Mitarbeiterin in den Fachkraftschlüssel nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 MVO einbezogen werden?

Ja, beide dürfen befristet bis zur Vorlage der jeweiligen Prüfungsergebnisse als Fachkräfte mit der Mitarbeit in der Gruppe betraut werden. Nach ihrer Prüfung sind beide Fachkräfte nach § 2 Abs. 1 MVO und können entsprechend weiterbeschäftigt werden.

8. Kann eine Gärtnerin, die bereits seit zwei Jahren in einem Naturkindergarten als zusätzliche Mitarbeiterin beschäftigt ist, jetzt als Fachkraft mit der Mitarbeit in der Kindergartengruppe betraut werden, wenn sie sich verpflichtet, zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine berufsbegleitende Ausbildung zur Erzieherin aufzunehmen?

Ja, da ihre bisherige Tätigkeit in dem Naturkindergarten als einschlägige Berufserfahrung zu werten ist und sie eine sozialpädagogische Ausbildung aufnehmen wird. Hier kann der Träger von der Möglichkeit des § 2 Abs. 2 Nr. 2 MVO Gebrauch machen.
Die Regelungen in § 2 Abs. 2 Nr. 1 bis 3 MVO sollen den Trägern den Anreiz bieten, den in den Einrichtungen tätigen Nicht-Fachkräften über den Weg einer nebenberuflichen Aus-/Weiterbildung eine Weiterqualifizierung zur Fachkraft nach § 2 Abs. 1 MVO zu ermöglichen.

9. Welche Lehrerinnen und Lehrer können als Fachkräfte eingesetzt werden?

Die Mindestverordnung regelt in § 2 Abs. 1 Nr. 10 und 11 abschließend den Einsatz von Lehrkräften in Kindertageseinrichtungen. Erforderlich ist danach die Befähigung zur Aus-übung des Lehramtes an Grundschulen oder Förderschulen. Die Befähigung zur Ausübung des Lehramtes setzt dabei das Bestehen der Zweiten Staatsprüfung voraus. Weitere Lehr-ämter sind nicht zugelassen.

10. Welche Fachkraft darf Berufspraktikantinnen und -praktikanten ausbilden?

Für die Anleitung von Berufspraktikantinnen und -praktikanten kommen nur Fachkräfte i. S. von § 2 Abs. 1 in Betracht, die über eine mindestens zweijährige Berufserfahrung in einem sozialpädagogischen Arbeitsfeld verfügen.

11. Gelten die Angaben zur personellen Besetzung in § 3 Abs. 3 MVO auch für bestehende altersübergreifende Gruppen mit 20 Kindern im Alter von zwei Jahren bis zum Schuleintritt? Müssen hier ab dem 1. September 2009 1,75 Fachkräfte + 0,25 bzw. + 0,5 Mitarbeiterstellen vorgehalten werden?

Nein, solange der Träger keine Änderung der Betriebserlaubnis mit der Zweckbestimmung „altersübergreifende Gruppe“ beantragt, greift die Bestandsschutzregelung nach § 3 Abs. 5 MVO. Danach kann der Träger die altersübergreifende Gruppe weiterhin mit 20 Kindern betreiben, er muss allerdings statt bisher mindestens 1,5 Fachkräfte, ab dem 1. September 2009 mindestens 1,75 Fachkräfte vorhalten (siehe aber zur Übergangsregelung Frage 17). § 3 Abs. 3 MVO enthält nur eine Möglichkeit zur Erhöhung der Gruppengröße im Vergleich zur altersübergreifenden Gruppe mit Kindern unter drei Jahren nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 MVO durch höheren Personaleinsatz.

Die Regelungen des § 3 Abs. 3 MVO greifen lediglich für ein neues Betreuungsangebot für zweijährige Kinder in einer besonderen Form der altersübergreifenden Gruppe, nämlich in der „geöffneten Kindergartengruppe“. Voraussetzung für die Umwandlung einer Kindergartengruppe oder altersübergreifenden Gruppe in eine „geöffnete Kindergartengruppe“ ist die entsprechende Änderung der Betriebserlaubnis.

12. Eine bestehende Hortgruppe hat laut Betriebserlaubnis eine genehmigte Platzzahl von 25 Kindern im Schulalter. Ab dem 1. September 2009 kann aufgrund des Bestandschutzes nach § 3 Abs. 5 MVO die Gruppengröße beibehalten werden. Die neue MVO besagt einen Fachkraftschlüssel von 1,5 bei einer Gruppengröße von 20 Plätzen. Muss nun das Personal ab 1. September 2009 um 1/5 erhöht werden?

Nein, eine entsprechende Regelung für eine Personalerhöhung kann aus der neuen MVO nicht abgeleitet werden. § 3 Abs. 5 MVO trifft nur eine Aussage zu dem Bestandschutz der bisher genehmigten maximalen Gruppengrößen für die jeweilige Angebotsform nach § 3 Abs. 1 und 2 MVO.

13. Nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 MVO können 8 bis 10 Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr in eine Gruppe (mit 2 Fachkräften) aufgenommen werden, nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 MVO kann die Gruppengröße bis zu 15 Kinder (mit 1,75 Fachkräften) betragen, wenn Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr aufgenommen werden. Wo liegt der Unterschied, der die unterschiedlichen Gruppengrößen und die unterschiedliche Personalbesetzung rechtfertigt?

Bei Gruppen nach § 3 Abs. 1 Nr. 1 MVO handelt es sich um „reine“ Krippengruppen, die ausschließlich Kinder unter drei Jahren aufnehmen. Gruppen nach § 3 Abs. 2 Nr. 2 MVO sind altersübergreifende Gruppen, in denen neben Kindern unter drei Jahren (i.d.R. nicht mehr als 7 Kinder) auch Kinder über drei Jahren betreut werden.

Die Unterschiede in Gruppengröße und personeller Mindestbesetzung bei den Krippengruppen und den altersübergreifenden Gruppen berücksichtigen die unterschiedlichen organisatorischen und konzeptionellen Anforderungen an eine angemessene Qualität für die Kleinst- und Kleinkinder.

14. Wie ist die Definition zu den altersübergreifenden Gruppen zu verstehen?

  • In § 3 Abs. 2 Nr. 1 MVO heißt es:
    … soll bei Aufnahme von mind. 3 Kindern aus verschiedenen Gruppen eine angemessene Verringerung der Gruppengröße vorgenommen werden …
  • unter Nr. 2 heißt es dann:
    … soll bei Aufnahme von Kindern bis zum vollendeten 3. Lebensjahr die Gruppengröße 15 nicht überschreiten …

§ 3 Abs. 2 Nr. 1 MVO bezieht sich auf altersübergreifende Gruppen, in die ausschließlich Kinder im Kindergarten- und Schulalter aufgenommen werden. Für altersübergreifende Gruppen mit Kindern unter drei Jahren gilt die Spezialregelung in § 3 Abs. 2 Nr. 2 MVO.

Insbesondere aus dieser Regelung folgt, dass Abs. 2 Nr. 1 dahingehend auszulegen ist, dass hier ausschließlich die Gruppengröße für solche altersübergreifende Gruppen geregelt ist, in die keine Kinder unter drei Jahren aufgenommen sind.

15. Wie sind die neuen Vorgaben für den Personalschlüssel und die Gruppengröße der einzelnen Gruppenarten?

Einen Überblick bietet dazu Anlage 2 (siehe PDF-Download in der rechten Spalte).

16. Was gilt nach der neuen Mindestverordnung bei der Aufnahme von Kindern mit Behinderung in die Kindertageseinrichtung hinsichtlich der Gruppengröße und des Fachkräftebedarfs?

Bei der Aufnahme von Kindern mit Behinderung in eine Gruppe sind die Vorgaben der Rahmenvereinbarung Integrationsplatz zu berücksichtigen. Ansprechpartner für die Rahmenvereinbarung Integrationsplatz sind die Vertragspartner der Rahmenvereinbarung, namentlich der Hessische Städtetag, der Hessische Städte- und Gemeindebund, der Hessische Landkreistag sowie die Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Hessen.

17. Wer bezahlt die zusätzlichen jährlichen Personalkosten, die durch die Anhebung der personellen Voraussetzungen anfallen?

Am 30. Oktober 2010 ist die Richtlinie zur Förderung der Umsetzung der Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder  vom 17. Dezember 2008 (GVBl. I S. 1047) sowie zur Förderung des beschleunigten und qualitätsvollen Ausbaus von Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren (U3-Neuplatzbonus) in Kraft getreten. Danach erhalten alle Träger von Kindertageseinrichtungen, die nach der Veröffentlichung der neuen Mindestverordnung ab dem 30. Dezember 2008 zusätzliche Fachkraftkapazitäten auf Grundlage derselben arbeitsvertraglich bereitgestellt haben und dauerhaft die personellen Mindestanforderungen nach der Mindestverordnung vom 17. Dezember 2008 in allen Gruppen erfüllen, eine pauschale Förderung. Für jedes in der Einrichtung betreute Kind ab dem vollendeten dritten Lebensjahr zahlt das Land eine Pauschale von bis 240 Euro pro Jahr, für jedes Kind unter drei Jahren von bis zu 840 Euro pro Jahr.

Nähere Informationen zu der Förderrichtlinie und dem Förderverfahren finden Sie auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Kassel .

18. Gilt die Mindestverordnung seit dem 1. September 2009 uneingeschränkt oder gibt es Übergangsregelungen?

Die Mindestverordnung ist seit 1. September 2009 in Kraft und damit bindend.

Die Verordnung enthält Regelungen, welche die allmähliche Gewährleistung der neuen Standards ermöglichen sollen. So sieht § 3 Abs. 5 MVO eine Bestandsschutzregelung hinsichtlich der Gruppengröße für diejenigen Kindertageseinrichtungen vor, für die eine am 1. September 2009 gültige Betriebserlaubnis eine höhere Gruppengröße zulässt als die neue Verordnung in § 3 Abs. 1 und 2 MVO. Diese Gruppen können mit der höheren Kapazität weiter betrieben werden, bis die Betriebserlaubnis abläuft. Der Ablauf einer Betriebserlaubnis ist insbesondere bei Eintreten der folgenden Umstände gegeben:

  • Trägerwechsel
  • Umzug der Einrichtung/ Ersatzneubau (Ausnahme: vorübergehende Auslagerung bis
    9 Monate; Rückausnahme: anschließender Bezug eines Neubaus)
  • Änderung der Zweckbestimmung der Einrichtungsart (auch mit/ohne Mittags-
    versorgung) oder eines Einrichtungsteils/ einer Gruppe
  • Änderung der Platzkapazität der Einrichtung (Erweiterung oder Reduzierung)
  • Änderung der Angaben zur Altersbegrenzung der Gruppen
  • Änderung der Kapazität einer Gruppe (bei evtl. gleichbleibende Kapazität der
    Gesamteinrichtung)

Die Änderung folgender Umstände führt nicht zum Ablauf, sondern lediglich zur Änderung einer bestehenden Betriebserlaubnis:

  • Änderung der Trägeranschrift oder der Trägerbezeichnung
  • Änderung der Einrichtungsbezeichnung

Darüber hinaus wird denjenigen Trägern, die trotz der finanziellen Unterstützung durch das Land die Standards der geltenden Mindestverordnung nicht vorhalten können (weil z.B. vor Ort nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen), eine Umsetzungsfrist bis zum 31. Dezember 2013 eingeräumt. Während dieses Übergangszeitraums haben die Träger die Möglichkeit, die neuen Standards sukzessive zu gewährleisten und sich auf diese Weise haushaltstechnisch, organisatorisch und personell auf die Änderungen einzustellen. Mit dieser Handhabung knüpft das Hessische Sozialministerium an seine Praxis bei Inkrafttreten der früheren Mindestverordnung im Jahr 2001 an.

Dazu gilt grundsätzlich, dass die Überprüfung der Einhaltung der neuen Standards im Rahmen der Aufsicht durch das Landesjugendamt in Zusammenarbeit mit den zuständigen Jugendämtern auf der Grundlage der geltenden Mindestverordnung vom 17.12.2008 erfolgt.

Sollte jedoch ein Träger diese Standards nicht einhalten können, so wird das Landesjugendamt dieses Vorgehen in der Übergangsphase bis zum 31. Dezember 2013 im Rahmen seiner Aufsicht nach § 45 SGB VIII und des hier bestehenden pflichtgemäßen Ermessens grundsätzlich hinnehmen. Voraussetzung hierfür ist, dass der jeweilige Träger die "alten" Standards  der Mindestverordnung aus dem Jahr 2001 erfüllt. Um eine Betriebserlaubnis zu erhalten, muss ein solcher Träger sich in seinem Antrag auf Betriebserlaubnis verpflichten, die neuen Standards sukzessive, spätestens aber zum 1. Januar 2014 vorzuhalten. Diese Verpflichtung des Trägers wird so Bestandteil der Erlaubnis zum Betrieb einer Kindertageseinrichtung. Das Jugendamt nimmt in der Stellungnahme zu dem Trägerantrag die Selbstverpflichtung des Trägers zur Kenntnis und bestätigt, dass der Träger derzeit die Vorgaben der Mindestverordnung von 2001 erfüllt. Die Betriebserlaubnis selbst wird auf der Grundlage der geltenden Mindestverordnung erteilt.

Diese Übergangsregelung gilt längstens bis 31. Dezember 2013.

19. Findet die bisherige Regelung des § 2 Abs. 1 Satz 2 der „alten“ Mindestverordnung weiterhin Anwendung?
Danach war die Teilung eines Platzes in einer Gruppe unter der Voraussetzung möglich, dass die Kinder, die sich einen Platz teilen, nicht gleichzeitig anwesend sind.

In der Neufassung der Verordnung über Mindestvoraussetzungen in Tageseinrichtungen für Kinder ist diese ausdrückliche Regelung zwar nicht wortgleich übernommen worden. Die Formulierung des § 3 Abs. 1 der „neuen“ MVO spricht aber von „vertraglich aufgenommenen Kindern“. Die Vorschrift kann deshalb dahin gehend ausgelegt werden, dass die für die jeweilige Zeiteinheit vertraglich aufgenommenen Kinder gemeint sind. Danach besteht auch weiterhin die Möglichkeit des Platz-Sharings.

20. Was sind berufsqualifizierende Hochschulabschlüsse im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 12 MVO?

Die Regelung in § 2 Abs. 1 Nr.12 MVO ist vor allem bedeutsam im Hinblick auf gestufte Ab-schlüsse (Bachelor/ Master), die hinsichtlich der Inhalte den in § 2 Abs. 1 Nr. 5 bis 9 MVO genannten Abschlüssen entsprechen.

Als Hochschulabschluss im sozialpflegerischen Bereich kommen insofern entsprechende gestufte Abschlüsse auf dem Gebiet der Heilpädagogik in Betracht.
Als berufsqualifizierender Hochabschluss im pädagogischen Bereich im Sinne des § 2 Abs. 1 Nr. 12 MVO gilt auch - neben den gestuften Studienabschlüssen zum Bachelor oder Master - ein mit dem akademischen Grad Magister Artium (M.A.) abgeschlossenes Hochschulstudium mit dem Hauptfach Pädagogik oder Erziehungswissenschaft.


21. Welche Ausbildungen werden im Sinne von § 2 Abs. 1 Nr. 14 MVO anerkannt?

In der Regel handelt es sich hier um im Ausland erworbene Berufsabschlüsse oder erzieherische Abschlüsse in der ehemaligen DDR. Für die Prüfung der Gleichwertigkeit, der Gleichstellung oder der Anerkennung einer Ausbildung im In- und Ausland mit den Ausbildungen nach Nr. 1 bis 13 wird auf die Erläuterungen in der Anlage 3 (siehe PDF-Download in der rechten Spalte) verwiesen.

Die Anerkennung als Fachkraft im Sinne der Nr. 1 bis 13 soll vor der Einstellung erfolgen.

22. Was ist eine einschlägige berufsbegleitende Ausbildung nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 MVO bzw. eine einschlägige Berufserfahrung nach § 2 Abs. 2 Nr. 2 MVO?

Einschlägige berufsbegleitende Ausbildungen sind Ausbildungsgänge zu Berufen nach § 2 Abs. 1 MVO. Der erfasste Personenkreis befindet sich bereits in einer entsprechenden berufsbegleitenden Ausbildung. Dies umfasst insbesondere Teilzeitformen der Fachschule für Sozialpädagogik, der Fachschule für Heilpädagogik sowie berufsbegleitende Angebote der Fachhochschulen und Universitäten.

In Abgrenzung zu Fachkräften nach § 2 Abs. 2 Nr. 1 MVO umfasst Abs. 2 Nr. 2 Fachkräfte, die sich noch nicht in einer berufsbegleitenden Ausbildung befinden. Vielmehr müssen sie eine Ausbildung erst aufnehmen. Die Berücksichtigung dieser Personen in dem Fachkräftekatalog ist durch ihre einschlägige Berufserfahrung gerechtfertigt. Einschlägige Berufserfahrung nach Abs. 2 Nr. 2 verlangt in der Regel die Ausübung einer

  • bezahlten Tätigkeit,
  • welche die Bildung, Erziehung- oder Betreuung von Kindern zum Inhalt hat.
    Hiervon erfasst ist insbesondere eine entsprechende Tätigkeit in einer Tageseinrichtung für Kinder nach § 25 HKJGB (Kinderkrippe, Kindergarten, Kinderhort, altersübergreifende Tageseinrichtung für Kinder) oder in Kindertagespflege.
  • Die Tätigkeit muss in einem institutionellen/organisatorischen Rahmen oder als Kindertagespflegeperson mit Pflegeerlaubnis nach § 43 SGB VIII, § 29 HKJGB ausgeübt worden sein.
  • Als zeitlicher Maßstab für die Dauer der Berufserfahrung gilt eine Zeitspanne von mindestens einem Jahr.

Weitere Hinweise:

Der Wortlaut der Mindestverordnung ist in der rechten Spalte als PDF-Download angeboten.

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